Warum steht der Schiefe Turm von Pisa noch?

Der Schiefe Turm von Pisa ist weltberühmt für seine kritisch wirkende Lage. Doch wie konnte er denn überhaupt die starken Erdbeben überstehen, obwohl die Region öfter von Erdbeben erschüttert wurde? Ein Team von Bauingenieuren und Forschern der Universität Bristol und der Roma Tre-Universität widmeten sich dieser Frage in einer Studie.

Der Turm begann sich bereits während der Errichtung Ende des 12. Jahrhunderts zu neigen. Nach einigem Zögern wurde der Bau trotzdem noch vollendet. Heute steht er mit rund 57 Metern Höhe seit über 600 Jahren zwar schief, ist aber erstaunlich stabil neben dem Hauptbau des Doms.

Die Neigung beträgt knapp 5 Grad. Das führt zu einer Verschiebung der Spitze von 5 Metern im Vergleich zu einer senkrechten Lage. Der Turm scheint jeden Moment umfallen zu können. Das ist aber bisher nicht passiert. Grund dafür sei ein Phänomen, das als dynamische Boden-Struktur-Interaktion (DSSI) bezeichnet wird. Die beträchtliche Höhe und Steifigkeit des Turms führt dabei in Verbindung mit der Weichheit des Fundamentbodens dazu, dass die Schwingungseigenschaften der Struktur in günstiger Weise beeinflusst werden. Letztlich haben die Effekte zur Folge, dass der Turm nicht mit den Bodenbewegungen eines Erdbebens mitschwingt. Den Wissenschaftlern zufolge führt die einzigartige Kombination der Faktoren beim Turm von Pisa zum Weltrekord beim DSSI-Effekt.

Professor Mylonakis sagt: „Paradoxerweise trägt genau der Boden, der den Turm schief gestellt und fast zum Einsturz gebracht hat, zur Widerstandsfähigkeit des Bauwerks in Erdbeben bei.“

Die Ergebnisse der Studie werden an der 16. European Conference in Earthquake Engineering in Thessaloniki, Griechenland, vorgestellt  (18. bis 21. Juni 2018)

Quellen:
www.autocad-magazin.de/schiefer-turm-von-pisa-warum-steht-er-noch
www.bristol.ac.uk/cabot/news/2018/pisa.html

 

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